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Ein Dorf kämpft um seinen Laden Rothenfluh. Trotz steigender Umsätze ist das Weiterbestehen unsicher
In Rothenfluh betreibt seit Monatsbeginn eine Genossenschaft den Dorfladen. Noch reichen die Umsätze aber nicht, um das Überleben der einzigen Einkaufsmöglichkeit im 700-Seelen-Dorf langfristig zu sichern.
Der einzige in Rothenfluh noch verbliebene Dorfladen hat seit dem 1. Juli 2008 eine neue Trägerschaft. Die bisherige Betreiberin, die Milchgenossenschaft Rothenfluh, hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und die Lokalitäten an die Ende Mai neu gegründete Genossenschaft «Dorfladen Rothenfluh» vermietet.
100 Genossenschafter. Finanziell über dem Berg ist die «Chesi» - wie die Einheimischen sagen, obwohl dort nie Käse produziert worden ist - noch nicht. «Wir schreiben gegenwärtig blasse schwarze Zahlen und können den Betriebsaufwand knapp decken. Aber um die nötigen Investitionen finanzieren zu können, brauchen wir ein Umsatzplus von mindestens 100 000 Franken im Jahr», sagt Genossenschaftspräsident Robert Schlag. Gegenüber den Vorjahren sei der Umsatz zwar um einen Drittel auf rund 700 000 Franken angestiegen. Die Existenz des Ladens sei aber noch nicht gesichert, sagt Schlag.
Das bis jetzt einbezahlte Genossenschaftskapital beläuft sich auf rund 145 000 Franken und verteilt sich auf rund 100 Genossenschafterinnen, darunter die Bürger-, die Einwohner- und die Kirchgemeinde Rothenfluh, Vereine, Privatpersonen und einzelne Lieferanten. Die meisten Lieferanten, von denen ein grosser Teil aus der Region stammt, stünden noch abseits und zeigten wenig Solidarität, sagt Schlag. Doch müsse es auch in deren Interesse sein, dass der Laden finanziell über die Runden kommt.
Solidarität. Der überwiegende Teil der Dorfbevölkerung zeige sich sehr solidarisch. Das beweisen laut Schlag die steigenden Umsatzzahlen. «Beizen und die Post haben dicht gemacht und dem Dorf Lebensqualität weggenommen. Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Laden als Teil der Identität des Dorfes erhalten können», betont der Trägerschaftspräsident. Er sei sich bewusst, dass die Kundschaft anspruchsvoll ist, sagt Schlag. Die gewünschten Dienstleistungen schlügen sich aber in zusätzlichen Personalstunden nieder, diese wiederum seien nur durch Mehrumsatz wettzumachen.
Vorsichtig optimistisch äussert sich Ladenleiterin Rosmarie Stalder: «Wir müssen und wollen alles daran setzen, die Kundschaft bei der Stange zu halten.» Viele Leute seien froh, dass die neue Trägerschaft zustande gekommen sei. Vor allem ältere Personen schätzten und nutzten das Angebot, im Dorf einkaufen zu können. Stalder hat einen Wunsch: «Der Anteil der Berufstätigen, die auswärts arbeiten und zu uns in den Laden kommen, dürfte höher sein.»
Otto Graf
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